nähPark Supertest

Testbericht 2: Bernina B 580 mit Stickmodul – Etwas länger ;-)

Schon wieder ist ein Monat vorüber und die Zeit mit meiner zweiten Testmaschine neigt sich dem Ende zu. Ich durfte die Bernina B 580 mit Stickmodul testen, also eine Näh-Stickkombi. Aus diesem Grund ist dieser Testbericht auch etwas länger, da ich im Prinzip zwei Maschinen in einer unter die Lupe genommen habe.

Und was war ich aufgeregt als ich erfahren habe, dass ich zum ersten Mal eine Maschine bekomme, die auch sticken kann. Wo ich doch zugegebenermaßen der absolute Newbie auf diesem Gebiet bin. Aber da ich Herausforderungen liebe, konnte ich die Lieferung kaum erwarten.

Quasi als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk klopfte der Postbote am 19. Dezember an meine Tür und brachte mir mein Paket mit der Bernina 580. So dachte ich. Tatsächlich habe ich all das hier bekommen 😉

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Alleine mit Auspacken, Aufbauen und Einlesen habe ich fast den gesamten ersten Tag zugebracht. Vieles erklärt sich jedoch bei der Bernina auch von selbst und wie eine Mitarbeiterin des nähParks es so schön formuliert hat: „Ich bin eine Frau! Ich drücke alle Knöpfe, bis es funktioniert!“ 😀 Ganz in diesem Sinne war ich dann auch froh über die vielfältigen Möglichkeiten, die das Display des Nähcomputers bietet, denn von der Bedienungsanleitung war ich nicht überzeugt. Diese besteht größtenteils aus Screenshots der jeweiligen Menüführung, was zwar durchaus hilfreich ist. Aber für meinen persönlichen Geschmack ist dann einfach zu wenig informativer Begleittext dabei.

Das Display selbst ist recht klein, aber ausreichend. Der Hintergrund lässt sich farblich je nach Geschmack ändern und fast sämtliche Feineinstellungen der Stiche lassen sich über das Display (mit einem Displaystift oder direkt per Fingerdruck) oder per Drehrad vornehmen.

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Der wenige Text der Gebrauchsanleitung wird jedoch durch den Nähcomputer ergänzt. Und das hat mich sehr positiv überrascht. Dort findet man im entsprechenden Menü nicht nur allgemeine Anleitungen, sondern auch Empfehlungen für die Stichwahl.

Ein Beispiel: Als ich das erste Mal Jersey vernähen wollte, war ich mir unsicher welchen Overlockstich ich wählen sollte. Also wählte ich die Option Overlockstiche aus, wo ich einige verschiedene Stiche vorgeschlagen bekam, für unterschiedliche Zwecke gab es auch verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Gleich vorweg, von den Stretchstichen war ich begeistert, damit ließ sich sehr sauber und schnell arbeiten. Auch dank der Hilfe des mitgelieferten Overlockfußes.

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Hingegen Zierstiche (wovon die Maschine eine gewaltige Menge mitbringt) haben mich auf Jersey ziemlich enttäuscht. Der Transport verlief bei mir nicht gleichmäßig und es war nahezu unmöglich ein sauberes Stichbild zu erzielen. Absteppen mit Geradstich klappte jedoch. Dennoch muss ich sagen, dass ich in dieser Preisklasse hier mehr erwartet hatte.

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Die Besonderheit der Bernina ist natürlich, dass man sie mit einem Stickmodul zu einer Stickmaschine umrüsten kann. Je nachdem ob man nähen oder sticken möchte, klemmt man entweder den Anschiebetisch oder eben das Stickmodul an.

Zum Nähbetrieb sieht das Gerät dann so aus:

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Der „Anschiebetisch“ ist für meine Vorlieben etwas instabil ausgefallen, da er praktisch freischwebend eingeklickt wird. Auf meinem Nähtisch hat sich das dann so gestaltet, dass der Freiarm der Maschine auf voller Geschwindigkeit relativ stark vibriert hat, was ich unter Umständen doch als störend empfunden habe. Beim Sticken (dazu später mehr) ist mir dies nicht aufgefallen, da das Modul stabiler ist.

Relativ umständlich erschien mir der Einsatz der Spulenkapsel. Diese wird unter dem Anschiebetisch eingesetzt, es sei denn, man nimmt den Tisch bei jedem Spulenwechsel ab. Zwischen Tischplatte und Anschiebetisch ist nicht besonders viel Platz und es ist eine ganz schöne Fummelei.

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Dazu kommt, dass das Nählicht bei angeschalteter Maschine so stark auf der Sichtscheibe reflektiert, dass man die darunter befindliche Kapselhalterung kaum noch erkennen kann.

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Positiv aufgefallen sind mir die Nähfüße. An den mitgelieferten Füßen erkennt man schnell, dass es sich um eine sehr hochwertige Verarbeitung handelt. Die Nähfüße sind in einem Stück und sehr robust. Sogar ein einhändiger Wechsel ist möglich. Toll fand ich auch, dass man die Nadel per Drehknopf löst und nicht mit einem Schraubendreher hantieren muss. Der Einfädler bedarf etwas Übung, aber wenn man einmal raushat wie, funktioniert er tadellos. Ebenso die automatische Fadenschere (nie wieder ohne!).

Hier im Bild ist übrigens der Overlockfuß zu sehen.

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Ich habe den Overlockfuß, einen Universalfuß, den Reißverschlussfuß und natürlich den Stickfuß ausprobiert. Vermisst habe ich einen Knopfannähfuß, den ich in dieser Klasse schon erwartet hätte. Naja, man kann wohl nicht alles haben!

Ich hoffe, dass ich es in den letzten beiden Tage noch schaffe, den BSR-Fuß zu testen! Das klingt nämlich, als wäre es genau mein Ding 😀 Mein Feedback dazu würde ich dann nachliefern.

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Soweit zum Nähen, aber Sticken kann sie ja auch noch. Also Stickmodul angeklemmt, was übrigens in zwei Handgriffen erledigt ist, Kabel angeschlossen und los geht’s. So zumindest die Theorie.

Als Anfänger brauchte ich vorher aber ein Starterset und die Bedienungsanleitung.

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1. Schritt: Motivwahl

Hier punktet die Bernina, denn sie hat bereits viele, wirklich schöne, Stickmotive im integrierten Speicher, wovon ich auch ein paar ausprobiert habe. Schriften ebenso. Dazu kommt, dass sich Schriften und Motive sehr einfach und intuitiv kombinieren lassen. Da macht die Bearbeitung richtig Spaß und man kann tolle Motive zusammenstellen.

Ich habe gleich mit einem kleinen mehrfarbigen Motiv begonnen und dabei vermutlich jeden Fehler gemacht, den man machen kann. Für mich war klar, ich muss üben!

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2. Stoff einspannen

Hier lag bereits mein erster Fehler. Den Stoff straff in den Rahmen einzuspannen, ist gar nicht so einfach wie sich vermuten lässt. Schnell kann es passieren, dass irgendwas verrutscht oder durchhängt und dann kann man ein schönes Stickbild eigentlich vergessen. Hier habe ich jedoch festgestellt, dass es wirklich Übungssache ist.

Darüber hinaus ist mir aufgefallen, dass sich feste Materialien, wie Leder, Filz oder Kunstleder einfacher einspannen lassen als etwa dünne Baumwolle. Aber auch mit Jersey kam ich gegen Ende des Testmonats gut zurecht.

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3. Sticken

Wenn alles eingespannt ist, der Rahmen in die Maschine geklickt ist und das Motiv startklar ist, kann es auch schon losgehen. Eigentlich. Vorher muss der Rest der Maschine aber auch noch auf das Sticken umgebaut werden. Das heißt die extra Spulenkapsel einsetzen, Stickfuß anbauen und Sticknadel einsetzen und natürlich passendes Garn verwenden.

Ich weiß nicht, ob es anschließend an mir lag, oder ob ich ein Montagsmodell erwischt habe, aber ich hatte während des Stickvorganges ein Problem nach dem anderen. Mal riss mir ständig der Oberfaden, ein andermal sprang ständig die Unterfadenkontrolle an, mal stieß der Rahmen irgendwo an und die einzelnen Farben passten danach nicht mehr bündig. Dadurch musste ich fast permanent vor der Maschine sitzen bleiben und alle paar Momente daran herumbasteln, damit wieder alles reibungslos lief. Unglaublich nervig!

Mein armer Mann musste die ganze Zeit mein Fluchen ertragen 😀

Hier mal ein Fehlversuch:

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So sollte es aussehen und so habe ich es dann auch hinbekommen. Wäre doch gelacht, wenn ich aufgebe.

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Nach den ersten Schritten mit mitgelieferten Dateien kann man, per USB-Stick, gekaufte Dateien in die Maschine übertragen. Hierbei fand ich etwas störend, dass die Farben dann völlig falsch dargestellt werden (wie man auf dem nächsten Foto sehen kann). Das soll man mit dem entsprechenden Programm zwar umgehen können, aber mir hat es genügt, der Maschine die richtigen Farben dann einfach „einzutippen“.

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Ich habe ein bisschen rumprobiert und vieles auf Probestückchen getestet, aber irgendwann kam ich trotz aller Schwierigkeiten recht gut klar. Und hat man den Dreh einmal raus, eröffnen sich einem schier endlose Möglichkeiten. Ich werde dann recht schnell ambitioniert und möchte ausgefallene Dinge ausprobieren. So machte ich mich gegen Ende des Testzeitraumes an Spitzenstickerei und ich bin einfach nur hin und weg.

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Wo die fertigen Flügel dran kommen, zeige ich euch demnächst. Das ist wohl mein ungewöhnlichster Auftrag des Jahres!

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Mein Fazit: Bei der Bernina 580 bin ich hin- und hergerissen. Von einigen Features bin ich restlos begeistert. Vor allem die Verarbeitung und die Qualität der Bauteile haben mich überzeugt. Gleichzeitig ist sie jedoch sehr anfällig für kleinste Problemchen. Ein feststeckendes Fädchen irgendwo oder auch nur ein Fussel an der falschen Stelle und schon geht nichts mehr. Meiner Meinung nach ist das in diesem Preissegment ein absolutes No-Go und miteinander nicht vereinbar. Ich persönlich würde mir diese Kombi-Maschine wohl nicht anschaffen und eher auf eine gute Nähmaschine und eine ebenso gute Stickmaschine ausweichen, wenn man den Platz dafür hat.

Und nun zusammenfassend noch einmal die (für mich) wichtigsten Punkte.

Meine liebsten Features:

  • robuste Verarbeitung
  • automatische Fadenschere
  • großer Fußanlasser
  • intuitive Bedienung
  • Aufspulen des Unterfadens während des Nähprozesses möglich
  • Platzwunder dank Näh-Stickkombi

Meine größten Ärgernisse und kleine Mängel:

  • empfindlich gegenüber kleinsten Störungen (sie ist einfach eine Diva 🙂 )
  • Zierstiche auf Jersey
  • Vibrieren
  • „falsche“ Farben bei herstellerfremden Stickdateien
  • verhältnismäßig wenige Nähfüße im Lieferumfang
  • umständlicher Spulenkapselwechsel

Wenn sie nun in ein paar Tagen mein Haus verlässt, werde ich trotzdem etwas traurig sein, aber auch genau so gespannt was die nächste Testmaschine zu bieten hat.

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Testreihe im Rahmen der Supertester-Aktion vom nähPark und enthält Werbung.
Die zuvor genannte.Nähmaschine wurde mir im Testzeitraum entgeltlos zur Verfügung gestellt. Der Bericht spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider und wird in keinem Fall vom Veranstalter beeinflusst.

3 thoughts on “Testbericht 2: Bernina B 580 mit Stickmodul – Etwas länger ;-)”

  1. lach mein Anschiebetisch (aurora 430) versauert seit drei Jahren im Schrank und wird nur sehr selten hervorgeholt.
    Stickmaschine/-modul wollte ich nie haben, aber dank spitzenstickerei muss ich diese entscheidung wohl nochmal überdenken 🙂

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  2. Danke für die vielen hilfreichen Infos. Viele von den Punkte, die Du aufgeführt hast, sind auch bei mir bisher ein KO-Kriterium gewesen. Wirst Du auch eine Bernina (ohne Stcki) testen? Liebäugel schon seit längerem damit, eine anzuschaffen.

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