My 2 Cents, Verschiedenes

Guten Tag! Ich bin das Mittelkind!

Zur Zeit stolpere ich im Netz immer wieder über Beiträge zum dritten Kind: Sollten wir das wirklich machen? Was ändert sich dann? Kriegen wir das alles organisiert? Habe ich genug Liebe für drei Kinder? Können wir uns das leisten?
Und viele weitere Fragen werden dort gestellt und zu großen Teilen auch beantwortet. Was mir dabei immer wieder auffällt, ist, dass sich alle Fragen fast ausschließlich um die Sorgen und Probleme der Eltern drehen. Doch was ist mit den Kindern, die schon in der Familie sind?!

Beim zweiten Kind sind sich fast alle einig. Wenn man die knallharten Verfechter von Einkindfamilien mal außen vor lässt, scheint die einhellige Meinung zu sein, dass ein Geschwisterkind dem Erstgeborenen in jeder Hinsicht gut tut. Es lernt teilen, sei es Zeit, Liebe oder materielle Dinge. Es hat immer Gesellschaft und ist nie allein. Es hat, im besten Fall, ein kleines Brüderchen oder Schwesterchen, mit dem man durch dick und dünn gehen kann. Und das Zweitgeborene profitiert sowieso vom bereits vorhandenen Nachwuchs, der den Nachrücker quasi in die Familie „einarbeitet“. Soweit so gut!

Doch dann kommt Nummer drei und alles ändert sich. Aber ist das wirklich so? Ja, Mama und Papa brauchen vielleicht ein größeres Auto, aber das ist nicht der Punkt. Die Geschwisterkonstellation ändert sich einfach. Das ehemals Kleinste ist jetzt nicht mehr das Kleinste, nicht mehr das Nesthäkchen, das verhätschelt wird, aber eben auch nicht das Größte, das den Ton angibt und der Posten wird wohl auch nicht so bald frei ;-).

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Die Wissenschaft hat dafür eine Handvoll Unworte kreiert: Mittelkind, Sandwichkind oder Dazwischenkind. Und das ist vielleicht auch der einzige Punkt, in dem ich den ganzen Elternratgeber, und was es sonst so gibt, Recht geben muss, das Zweitgeborene hat in einer Dreikindfamilie eine Sonderstellung, aber eben nur in der Reihenfolge: es gehört je nach Situation einmal zu den Großen und einmal zu den Kleinen.

Bei uns zu Hause hört sich das oft folgendermaßen an:

Der Große ist schon zu Hause, ich muss nochmal los „die Kleinen vom Kindergarten abholen“. Der Papa ist mit dem Jüngsten unterwegs, ich muss noch schnell „mit den Großen einkaufen“. So verschiebt es sich mal hierhin und mal dorthin und das ist wohl auch der Grund weshalb es Artikel zum „Mittelkind-Syndrom“ gibt. Ob Geschwisterforscher, Krankenkassen oder Familientherapeuten, überall wird das Mittelkind thematisiert und das arme Kind per Definition traumatisiert.

Überall liest man dann, das Mittelkind sei benachteiligt, es braucht mehr Aufmerksamkeit als die anderen, ist oft verschlossen und in sich gekehrt und muss um Anerkennung kämpfen. Als Erwachsener wird es das immer noch mit sich umherschleppen und der Burnout ist vorprogrammiert. So oder ähnlich liest man es…

Mir stellt sich jedoch die Frage, wieso? Ist das Mittelkind wirklich nur benachteiligt und für den Rest seines Lebens verkorkst? Ich sage nein!

Wir haben uns bewusst für drei Kinder entschieden und haben Nummer zwei und drei in einem sehr kurzen Abstand bekommen. Für uns funktioniert das gut. Okay, wir haben nun auch ausschließlich Söhne und sicher spielt das auch eine entscheidende Rolle, aber wenn ich mir unser Mittelkind so ansehe, sprengt er alle Vorurteile. Er ist offen und charmant, immer zuvorkommend und im Kindergarten wird er regelmäßig von allen zum Gruppenkuscheln genötigt, weil er so beliebt ist. Sein Gerechtigkeitssinn lässt manchen Erwachsenen vor Neid erblassen und von seinem Lebensmut möchte ich mir selbst manchmal eine Scheibe abschneiden. Er schafft es immer wieder alle von sich zu begeistern und ich weiß manchmal selbst nicht wie er das macht 🙂

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Es kann mir nun natürlich niemand sagen, ob das für immer so bleibt und ob er als Erwachsener ebenso in sich gelöst sein wird. Auch kann ich nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen, weil ich in meiner Familie und im nahe wohnenden Freundeskreis die erste Mama von drei Kindern bin, aber ich habe gelernt auf meine Intuition zu vertrauen und mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Und jeden Tag versuche ich mich in meine Kinder rein zu fühlen.

Was ich sagen will, ist Folgendes: Theorien und Geschwisterforschung hin oder her, Richtig oder Falsch lässt sich in der Erziehung nicht aus einem Buch lernen! Jeder Mensch und jedes Kind ist anders. Jedes Mittelkind ist vor allem eins, ein Kind! Ein Kind, das mit ebenso viel Liebe, Zuneigung und gemeinsamer Zeit aufwachsen will wie seine Geschwisterkinder.

Wenn ich also lese: „Zeigen Sie ihrem Mittelkind, dass es etwas Besonderes ist!“, dann kann ich nur lächeln, meine drei Söhne anschauen und jedem Einzelnen zum Schlafengehen ins Ohr flüstern, dass er etwas ganz Besonderes ist!

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6 thoughts on “Guten Tag! Ich bin das Mittelkind!”

  1. HAllo Sabrina,
    das ist ein toller Beitrag! Ich bin selbst das Millelkind von fünf GEschwistern und habe selber drei Kinder. Wenn ich so über den Beitrag nachdenke, muss ich zugeeben, dass ich schon etwas anders bin als die anderen, wahrscheinlich sollt ich zum Therapeuten gehen. Aber ich denke, meine Geschwister werden warhscheinlich genau das gleiche von sich denken, weil eben jeder von uns grundsätzlich verschieden ist und so sind auch meine Kinder. Ich hab mal gelesen, dass sich jedes Kind die Niesche aussucht, die noch unbesetzt ist. Ist also der erste recht aufgedreht, dürfte der zweite etwas ruhiger werden, so zumindest die Theorie. Einig sind wir uns aber doch alle: Jedes Kind ist etwas besonders und sollte auch als solches gesehen werden. LG
    Karin

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  2. Hallo Sabrina, wiedermal ein toller Beitrag von dir. Zum Thema Kinder, ja was soll ich da sagen. Bei uns stellte sich damals die frage Nummer zwei ja oder nein. Das ganze dauerte dann vier Jahre, bis mein Mann und ich dazu bereit waren. Da wir damals schon einen Sohn hatten, wäre ein kleines Mädchen ja ganz toll. Nun ja, zu einem Mädchen hat es leider nicht gereicht. Aber heute denke ich, ich bin doch eher eine Jungs Mama. Als ich dann zum zweiten mal schwanger wurde, hat es der liebe Gott wohl etwas zugut mit uns gemeint. Denn heute habe ich vier Jungs. Ganz recht vier! Weil wir Drillinge bekommen haben. Meine Jungs sind alle verschieden und ja man bekommt es geregelt. Weil man mit seinen Aufgaben wächst. Heute ist der große 14 und die Drillinge 9 und ich muss sagen ich bin stolz auf uns das wir es bis hier her geschafft haben. Es war alles andere als einfach. Dennoch würde ich das uns gegebene Geschenk immer wieder annehmen. Trotz dem Stress und all der Sorgen. Und für die, die jetzt wieder sagen: Oh Gott ich hätte mich erschossen, oder welch eine Schande. Weil solch Kommentare hab ich zu genüge gehört. Kinder sind niemals eine Schande und eine Kugel ist Verschwendung. GRINS ! Im Prinzip habe ich 2 Mittelkinder und das noch exakt im gleichen Alter. Einer eher der Rabauke und der andere der hilfsbereite und fürsorgliche. Alle 4 bekommen die gleiche Aufmerksamkeit und liebe. Ich könnte jetzt noch soviel schreiben. Das würde aber den Ramen sprengen. Also sage ich nur, mach es so wie DU es für richtig empfindest. Es wird der richtige weg sein. Denn ein Mutterherz weis was für ihr Kind gut ist.

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  3. Hallo. Wie wahr, jedes Kind ist anders und nicht vergleichbar. Das 3. war gewünscht aber es sollte nicht sein. Der Abstand ist 4.5 Jahre und war auch nicht geplant. Ja. Planen kann man, aber es ist ein Plan und keine Realität… Ich finde es richtig auf den Bauch zu hören und auf den Partner, aber den Rest sollte man ausblenden. Hören wir mehr auf unsere innere Stimme. Alles Gute

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